Digitalisierung in der Normung: Warum auch KMU aktiv werden sollten

Frau füllt eine Checkliste aus© Adobe Stock/Andrey Popov

 

Normen und Standards für den digitalen Produktpass, Cybersecurity und KI-Regulierung - Unternehmen können hierbei aktiv mitgestalten

Die Ökodesign-Verordnung, die KI-Verordnung (AI Act) oder der Cyber Resilience Act (CRA): Unternehmen können in der heutigen Zeit von der Umsetzung verschiedener Verordnungen und der Ausgestaltung technischer Regeln, wie Normen und Standards, betroffen sein. Oftmals sind die Anforderungen darin aber komplex und – gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) – nicht adressatenorientiert formuliert. Das können Unternehmen aber bis zu einem gewissen Grad selbst mitbestimmen. Denn sie können sich in den entsprechenden Gremien in den Erarbeitungsprozess dieser Normen und Standards einbringen, welche die Rahmenbedingungen und Anforderungen festlegen und somit Sicherheit und Interoperabilität schaffen.

Digitaler Produktpass – Transparenz und Nachhaltigkeit durch Normen

Wichtiger Teil der Ökodesign-Verordnung ist der digitale Produktpass. Dieser soll künftig Informationen zu Herkunft, Materialzusammensetzung, Recyclingfähigkeit oder Umweltbilanz eines Produkts enthalten und beim Nachweis der Produktkonformität unterstützen. Durch standardisierte Datenformate und Schnittstellen wird es möglich, Produkte entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette transparent zu machen. Auch hierzu laufen wichtige Normungsarbeiten, in die sich Unternehmen einbringen können. Für Unternehmen ist das eine Chance: Sie können ihre Produkte nachhaltiger positionieren und Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Partner besser informieren.

Cybersecurity – Schutz vor digitalen Bedrohungen

Mit zunehmender Vernetzung von Produkten und Wertschöpfungsketten wächst auch die Gefahr von Cyberangriffen. Normen und Standards für IT-Sicherheit helfen Unternehmen dabei, ihre Systeme widerstandsfähiger zu machen. Die kostenlose DIN SPEC 27076 bietet beispielsweise einen praxisorientierten Leitfaden zur Durchführung eines Cyberrisikochecks, um potenzielle Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und gezielt Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. Während die Arbeit an einer solchen DIN SPEC sich gerade mal über drei bis vier Monate erstreckt, ist der Nutzen dieser Mitgestaltung enorm.

KI-Verordnung – Regulierung Künstlicher Intelligenz

Die EU-Kommission hat mit der KI-Verordnung (AI Act) einen weltweit erstmaligen umfassenden Rechtsrahmen für KI geschaffen. Ziel ist es, sichere und vertrauenswürdige KI-Systeme zu fördern und gleichzeitig Risiken zu minimieren. Auch hierbei spielen Normen und Standards eine entscheidende Rolle: Sie definieren Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit oder Datenschutz bei KI-Anwendungen. Für mittelständische Unternehmen bedeutet das: Wer durch seine Mitwirkung frühzeitig weiß, wie ein Standard ausgestaltet sein wird und welche Anforderungen dann letztlich gelten werden, kann seine KI-Entwicklungen entsprechend frühzeitig ausrichten und sich so Wettbewerbsvorteile sichern.

Normung als Innovationstreiber für den Mittelstand

Die Beispiele zeigen: Normen sind nützliche Werkzeuge für Innovationen im digitalen Zeitalter. Sie schaffen klare Rahmenbedingungen, fördern Interoperabilität und erhöhen die Akzeptanz neuer Technologien bei Kundinnen und Kunden sowie Partnern.

KMU können aktiv an der Entwicklung dieser Normen teilnehmen. Durch ihr Engagement in den Gremien der Normungsorganisationen haben sie die Möglichkeit, ihre wertvolle Expertise und ihre Sichtweise als KMU einzubringen, ihre Interessen zielgerichtet zu vertreten und Standards nachhaltig mitzugestalten.

Warum ist das wichtig?

Nur wenn KMU sich frühzeitig beteiligen, haben sie Einfluss auf die Inhalte – etwa bei Fragen zur Datensicherheit im digitalen Produktpass oder bei Anforderungen an KI-Systeme. Zudem profitieren sie neben einem großen Netzwerk an Expertinnen und Experten von einem besseren Verständnis der zukünftigen regulatorischen Rahmenbedingungen und können ihre Produkte gezielt darauf ausrichten.

Wie können KMU sich beteiligen?

Nehmen Sie einfach Kontakt zum Deutsches Institut für Normung e. V. (DIN) auf, um mehr über die Beteiligungsmöglichkeiten als KMU zu erfahren. Schicken Sie dafür schlichtweg eine E-Mail an mittelstand@din.de.

Unterstützung für aktive Mitarbeit von KMU in Normungsgremien

Mit seinem Förderschwerpunkt „Normung-Unternehmen“ unterstützt das Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) WIPANO – Wissens- und Technologietransfer durch Patente und Normen“ KMU bei der aktiven Mitarbeit in Normungs- bzw. Standardisierungsgremien.