Kurzstudie: Wie KMU ihre digitale Souveränität stärken können

Titelbild Kurzstudie © IW Consult

Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland sind abhängig von digitalen Importen. Oft wissen sie nicht, welche Alternativen es gibt oder wagen den Umstieg nicht. Die Kurzstudie der Begleitforschung Mittelstand-Digital zeigt, wie Unternehmen digital souveräner werden können – und welche Unterstützung sie dafür brauchen.

Vor allem US-amerikanische Anbieter dominieren mit ihren Digitallösungen den deutschen Markt und bestimmen Preise, Vertragsbedingungen und Standards. Das hat direkten Einfluss auf KMU: Wenn ein Unternehmen einen einzelnen Dienst nicht mehr nutzen kann – sei es aufgrund von einseitigen Änderungen bei Preisen oder Bedingungen oder sogar geopolitischen Spannungen –, kann das gleich den Geschäftsbetrieb gefährden. Dennoch sind viele Unternehmen nicht in der Lage, digitale Technologien selbstbestimmt auszuwählen, sicher einzusetzen und Abhängigkeiten bewusst zu steuern.

Dabei gibt es für KMU, die als Zulieferer oder Dienstleister in Wertschöpfungsketten eingebunden sind, seit April 2026 einen weiteren Anlass, digital souveräner zu werden. Das Vergabebeschleunigungsgesetz verankert digitale Souveränität als Zuschlagskriterium in öffentlichen Vergabeverfahren. Auch EU-Regulierungen wie die NIS-2-Richtlinie, der Cyber Resilience Act und die Datenschutzgrundverordnungen beinhalten Anforderungen, die zumindest Elemente digitaler Souveränität wie Datenhoheit voraussetzen.

Europäische Alternativen sind verfügbar

Das sind Gründe genug, um auf souveräne Technologien umzusteigen. Für nahezu jede gängige digitale Anwendung stehen bereits europäische Alternativen zur Verfügung. Die Studie stellt drei Kategorien vor: Open-Source-Software, kostenpflichtige europäische Lösungen sowie souveräne Cloud-Angebote. Open-Source-Lösungen bieten Transparenz und reduzieren Anbieterabhängigkeiten, erfordern aber IT-Kompetenz. Kostenpflichtige europäische Alternativen punkten mit professionellem Support und regulatorischer Konformität. Souveräne Cloud-Angebote gewährleisten, dass die Datenhoheit beim Kunden verbleibt. Das EuroStack Directory Project bietet bereits einen Überblick über mehrere hundert Alternativen in rund 60 Technologiekategorien.

Gesamtkosten statt Anschaffungspreis entscheidend

Ein zentrales Kriterium bei der Auswahl alternativer Lösungen ist für ein Unternehmen die Wirtschaftlichkeit. Die Studie zeigt, dass die wirtschaftliche Bewertung anhand der Anschaffungskosten allein zu kurz greift. Erst eine Betrachtung der Gesamtkosten über den vollständigen Nutzungszyklus – die sogenannte Total Cost of Ownership (TCO) – erfasst die langfristige Wirtschaftlichkeit. Versteckte Kosten durch proprietäre Datenformate, eingeschränkte Exportfunktionen oder wiederkehrende Preissteigerungen können die Gesamtkosten erheblich beeinflussen. Insbesondere Kleinstunternehmen (KKU) sind auf einfache, migrationsfreundliche Lösungen angewiesen, die ihre begrenzten Ressourcen nicht überfordern.

Unterstützungslandschaft: Solide Basis mit Ausbaupotenzial

Sowohl KMU als auch KKU benötigen beim Umstieg auf alternative Lösungen Unterstützung. Die Studie unterscheidet zwischen neun sogenannten Orientierungsfeldern, in denen Transferakteure und Multiplikatoren aktiv unterstützen können. Zu diesen gehören neben der wirtschaftlichen Bewertung beispielsweise Sicherheitsanforderungen, digitale Kompetenzen und regulatorische Orientierung. Mittels einer Online-Befragung unter 21 teilnehmenden MDZ sowie einer ergänzenden Recherche bei der Bundesnetzagentur, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), den de:hubs, den European Digital Innovation Hubs (EDIH), und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurden die vorhandenen Angebotsformate in den jeweiligen Orientierungsfeldern erfasst.

Das Ergebnis: KMU können sich in Deutschland auf eine insgesamt vielfältige Unterstützungslandschaft berufen. In den Bereichen Sicherheitsanforderungen und Digitale Kompetenzen sind die Angebote besonders breit aufgestellt. Das größte Entwicklungspotenzial besteht bei der Transparenz über Abhängigkeiten und Risiken, wo mehr als die Hälfte der befragten MDZ bislang keine gezielten Angebote vorhält, und bei der wirtschaftlichen Bewertung, die bislang kaum abgedeckt ist. Aus den Ergebnissen leitet die Studie fünf Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der Unterstützungsangebote ab – vom Ausbau konkreter Arbeitsinstrumente wie Checklisten und TCO-Rechnern bis hin zur stärkeren Ausrichtung von Unterstützungsformaten auf Kleinstunternehmen.

Digitale Souveränität als Managemententscheidung

Die Studie macht deutlich: Digitale Souveränität ist keine rein technische Frage, sondern eine strategische Managemententscheidung. Unternehmen, die ihre digitalen Abhängigkeiten kennen und aktiv steuern, schaffen bessere Voraussetzungen für Planungssicherheit, Innovationsfähigkeit und Resilienz. Die vollständige Studie mit detaillierten Analysen, Bewertungsrahmen und Handlungsempfehlungen steht zum kostenfreien Download bereit.

Weitere Informationen

Hier geht´s zur Kurzstudie „Digitale Souveränität von KMU“.