Change-Management in KMU: Welcher "eBusiness-Typ" sind Sie?

Der eBusiness-Lotse Potsdam hat in einer Studie untersucht, wie die Digitalisierung den Arbeitsalltag von Mitarbeitern in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) beeinflusst.

Männer geben sich die Hand© FotolEdhar - Fotolia.com

Die Nutzung von digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien ist heutzutage aus keinem Unternehmen mehr wegzudenken. Der Arbeitsalltag ist geprägt durch komplexe Datenerfassungs- und Verarbeitungsprogramme, Kommunikation via Internet, die nahezu permanente Erreichbarkeit dank Smartphones, Tablets & Co und die Arbeit am Computer.

Da sich besonders kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit Veränderungsprozessen und der Implementierung von elektronischen Geschäftsprozessen noch immer schwertun, wollte der eBusiness-Lotse Potsdam genau wissen, wie die Digitalisierung den Arbeitsalltag der Mitarbeiter in KMU bestimmt und welche Vorbehalte herrschen. In einer Studie hat der eBusiness-Lotse die Einstellung gegenüber digitalen Geräten und Abläufen untersucht und gut zwei Dutzend Einzelunternehmer, Führungskräfte aus KMU oder Vertreter von Institutionen in aufwändigen morphologischen Tiefeninterviews befragt.

"Die Studie bestätigt, dass Unternehmen mit dem Prozess der Digitalisierung ein durchaus ambivalent geprägtes Erleben ihrer Arbeit verbinden, das durch Erleichterungen, aber auch durch Zumutungen charakterisiert ist: Flexibilität, Effizienz der Arbeitsabläufe, Kommunikation und Informationsverfügbarkeit einerseits, aber andererseits auch Zeitdruck, stetig wechselnde Aufgaben, Kontrolle und Informationsmenge", so der Leiter des eBusiness-Lotsen, Prof. Dr. Thomas Thiessen von der BSP Business School Berlin Potsdam. "Es wird deutlich, dass mit der digital geprägten Arbeitswelt typische Probleme und Ängste einhergehen, die im Selbstkonzept der Arbeit auf unterschiedliche Weise verortet werden."

Demnach lassen sich Unternehmer hinsichtlich des Umgangs mit und des Erlebens von digitalisierter Arbeit in fünf Typen einordnen: 

  • Der erste Typus ist der des "Angstfreien". Zwar geht dieser Typus nicht problemfrei durch die digitalisierte Arbeitswelt, er greift die komplexer werdenden Ansprüche der Arbeitswelt aber aktiv auf. Dieser Typus bewältigt die Unübersichtlichkeit der digitalen Welt, indem er mit Hilfe seiner eigenen Geschicklichkeit durch sie hindurchnavigiert. Allerdings versteht auch der "Angstfreie" die digitalen Strukturen mit ihren immer unübersichtlicheren und schnelleren Arbeitswirklichkeiten nicht bis in die Tiefe.  
  • Ein zweiter Typus ist sich zwar der Tatsache bewusst, dass er den Anschluss an neue Arbeitsweisen finden muss, doch gelingt ihm dies nur mühsam. Er empfindet den Umgang mit digitalen Technologien – zumal in höherem Alter – als sehr aufwändig und nervenaufreibend. Dieser Typus befürchtet, dass er im Endeffekt nicht Herr im eigenen Haus ist, sondern von der Technik "fremdgesteuert" wird. 
  • Der dritte Typ ist durch die Sorge charakterisiert, dass er zunehmend aus vertrauten Arbeitsformen herausgerissen wird und sich der eigenen Arbeitsform entfremdet.
  • Ein vierter Typ wird von der Angst bestimmt, dass die bekannten und vertrauten Formen des kontinuierlichen Arbeitens nicht mehr zeitgemäß sind und er deshalb den Anschluss verliert.
  • Der letzte Typus ist von der Furcht geprägt, nicht schnell und flexibel genug zu sein, um stets "vorn dabei" sein zu können, und im Endeffekt den neuen Techniken hinterher­zuhinken.


Foto von Herrn Professor Dr. Thomas ThiessenProf. Dr. Thomas Thiessen vom eBusiness-Lotsen Potsdam © eBusiness-Lotse Potsdam

Die Studie zeigt deutlich, dass weitere Aufklärungsarbeit und Information hinsichtlich der Digitalisierung von Geschäftsprozessen in der Gruppe der KMU erforderlich sind. Dabei wird deutlich, dass Engagements und Initiativen wie die eBusiness-Lotsen nicht nur auf der Ebene der Kompetenzvermittlung, sondern auch auf der psychologischen Ebene aktiv werden müssen. "Schließlich geht es auch darum, die Probleme und Ängste der Mitarbeiter im Umgang mit digitaler Technik aufzugreifen und in Veranstaltungen und begleitenden Formaten durch konkrete Angebote abbauen zu helfen", so Prof. Dr. Thomas Thiessen.